Das Schweizer Gesundheitswesen gehört zu den Besten der Welt. Trotzdem steht es hoch oben auf dem Sorgenbarometer der Menschen. Die Gesundheitskosten steigen seit vielen Jahren stärker als die volkswirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Schweiz gemessen am Bruttoinlandsprodukt. Das Vertrauen in die Politik ist geschwunden. Es braucht Transparenz und Information: wissen wir, wann wir weder über- noch unter- noch fehlversorgt sind? Nur ein informierter Patient kann Selbstverantwortung übernehmen. Die Fülle von Anbietern, Methoden und Ideologien verwirrt. Welche Therapien sind wie wirksam im Vergleich?

 

Nur ein informierter, gesundheitskompetenter Patient ist der wirksamen Prävention zugänglich. Die Tatsache, dass sozial und wirtschaftlich schwache, bildungsferne Menschen häufiger krank sind und früher sterben, beunruhigt! Die sozialen Bedingungen, unter denen die Menschen leben und arbeiten, sind mitverantwortlich für den Gesundheitszustand ganzer Bevölkerungsgruppen. Auch der Zusammenhang zwischen Einkommen und Gesundheit ist inzwischen eindeutig belegt. Hier müssen grosse Lücken in Bildungs- und Bewusstseinsarbeit geschlossen und in Prävention investiert werden.

Gesundheitspolitik

Transparenz, Information und Wirksamkeit: Ein transparentes Gesundheitssystem ist die Voraussetzung für die Verbesserung der Eigenverantwortung der Patient/innen. Um optimale Behandlungsergebnisse zu erreichen, benötigt das Gesundheitswesen eine evidenzbasierte Wirksamkeitsmessung . Sie soll Behandlungen und Behandlungspfade beurteilen und für die medizinischen Grundleistungen zum Massstab machen. Notwendig sind unabhängige Gremien, HTA-(Health Technology Assessment)-Boards, deren Aufgabe es ist, diagnostische Verfahren und therapeutische Interventionen aus der Sicht der Medizin, der Ökonomie, der Ethik und des Rechts zu analysieren und Empfehlungen zuhanden der politischen Entscheidungsträger und der Leistungserbringer zu formulieren. So werden die heutigen Anreize im Gesundheitssystem, die zu wenig klar auf den Erfolg medizinischer Behandlungen ausgerichtet sind, richtig gesetzt werden können und die Behandlungsrealität auch im Sinne von Über-, Unter- oder Fehlversorgung erfassen. Obwohl das Ziel ehrgeizig und schon die Anforderung der Unabhängigkeit schwierig zu erreichen ist, geschweige denn eine einvernehmliche Verschiebung zwischen Gewinnern und Verlierern, muss dieses Projekt vorangetrieben werden.

 

Prävention und Gesundheitsförderung: Das Präventionsgesetz ist abgelehnt. Trotzdem soll die Steuerung, die Koordination und die Effizienz von Präventions-, Gesundheitsförderungs- und Früherkennungsmassnahmen verbessert werden in Zusammenarbeit mit den Kantonen. Eine wirksame Prävention und Gesundheitsförderung reduziert unnötige Krankheitsfälle. Massnahmen zu: Risikofaktoren gar nicht entstehen lassen, Schutzfaktoren stärken, Früherkennung und –intervention, Verhinderung und Abmilderung von Folgeschäden. Es gilt das banale Sprichwort: vorbeugen ist besser als heilen.

 

Ein breiteres Verständnis von Gesundheitspolitik: Die Gesundheitskompetenz der Patient/innen ist sehr unterschiedlich. Bildungsferne und in anderen Kulturen sozialisierte Menschen finden sich in unserem komplexen Gesundheitssystem oft nicht zurecht und konsumieren mit ihren Familien wahllos Gesundheitsleistungen oder begeben sich zu spät zum Arzt. Wenn man die Gesundheitskompetenz und in der Folge den Gesundheitszustand des Einzelnen verbessern will, sollte man auch seine sozialen Determinanten einbeziehen. Das führt allerdings zu einem breiteren Verständnis von Gesundheitspolitik, das ganzheitlicher bei den Ursachen der mangelnden Effizienz und Effektivität unseres Gesundheitssystems ansetzt. Mit einer besseren Gesundheitskompetenz und einem höheren Gesundheitsbewusstsein wird die Selbstverantwortung gestärkt und ein massgeblicher Teil der Gesundheitskosten könnte eingespart werden.

 

Ethische Fragen im Gesundheitswesen anpacken: Ein paar Themenkreise: Ökonomisierung der Medizin im Spannungsfeld zwischen den Bedürfnissen der Patienten und der Dynamik des Gesundheitsmarktes? Rationalisierung und Rationierung im Gesundheitswesen? Ist der Wettbewerb ein Allheilmittel? Wie weit soll die Wirtschaftsfreiheit gehen in einem hoch subventionierten Markt? Wie kommen wir zu einer gerechten Verteilung der Ressourcen (zB. der Finanzierung der Medikamente für ganz seltene Krankheiten)? Was ist ein Jahr Menschenleben wert? Wie weit kann die Solidarität der Gesellschaft ausgedehnt werden? Anhand welcher Kriterien und mit welchen Instrumenten können die Grenzen der Finanzierung hoher Kosten durch die Gesellschaft abgesteckt werden? Selbstbestimmung am Lebensende? Erhaltung der Würde im Umgang mit dem Sterben. Palliativ Care muss zu einem medizinischen Angebot werden, zu dem jeder Mensch Zugang hat.

 

Suizidprävention: Die Suizidstatistik der Schweiz und ihre Analyse im Bericht des Bundesrates zu «Palliativcare, Suizidprävention und organisierte Suizidhilfe» hält fest: Suizid bleibt eine der häufigsten Todesursachen von Menschen zwischen 15 und 44 Jahren. In allen industrialisierten Ländern ist die Suizidrate bei Personen über 75 Jahren am höchsten. Dass die Schweiz zur traurigen Spitze im Suizidrating gehört, hängt aber mit den hohen Zahlen von Menschen zusammen, die sich umbringen im jungen und mittleren Alter. Es besteht hoher Handlungsbedarf, mit Präventionsmassnahmen dem Risiko der veränderten Lebenswelten, der hohen Lebenserwartung und der Vereinsamung als Mitursache von Suiziden Rechnung zu tragen. Der Bundesrat ist daran, meine vom Parlament überwiesene Motion, die einen Aktionsplan Suizidprävention fordert, umzusetzen.

Reformen und Handlungsbedarf Gesundheit

 

 

Christliche Werte. Menschliche Politik. EVP